Dienstag, 29. Dezember 2015

"Christ des Jahres 2015" (idea)

Seit 1. Juni dieses Jahres ist er "höchster Berner": Marc Jost aus Thun präsidiert den Grossen Rat des Kantons Bern. Der vierfache Familienvater (41) ist ein Vernetzer und Brückenbauer. Als "wertkonservativ, aber weltoffen" betitelte ihn die Zeitung "Der Bund". Und das trifft zu beim Co-Generalsekretär der Schweizerischen Evangelischen Allianz und Präsident des Hilfswerkeverbands Interaction. Jost macht sich für die Familie stark. In der Energiedebatte fordert er Anreize zum Sparen; denn: "Nach uns kommt nicht die Sintflut." Er bekennt sich zum Sozialstaat und fordert Solidarität zwischen Jung und Alt. Anerkannt wird auch, dass Jost - früher als Pfarrer tätig - als Christ auftritt, ohne aufdringlich zu wirken. Er steht so selbstverständlich zu seinem Glauben, wie er eine Session für eröffnet erklärt oder Interessierten das Parteiprogramm der EVP erläutert. Zurzeit engagiert er sich stark in der Taskforce für Flüchtlinge. Für seine Authentizität als Politiker und Christ verleiht ihm idea den Titel "Christ des Jahres 2015".
http://www.ideaschweiz.ch/thema-des-tages/artikel/christen-des-jahres-2015-elisabeth-buser-und-marc-jost-83624.html

Freitag, 21. August 2015

«Friede, Freude, Eierkuchen» ist nicht sein Ding

Auf Bildern wirkt Marc Jost brav und friedfertig. Er selber sagt von sich, dass er ruhig und klar sein will. Das hat seinen Grund: Seit dem 1. Juni präsidiert Jost den Berner Grossrat, welcher 160 Mitglieder zählt und der gut geführt sein soll.Seine berufliche Laufbahn verfolgte er zielstrebig. Er wollte schon immer Theologie studieren. Zuvor liess er sich jedoch zum Lehrer ausbilden. Interessanterweise wurde Jost dann während dem Theologiestudium mit dem Politvirus angesteckt. Und dieser Teil, die Politik, sei ihm auf den Leib geschnitten, sagt seine Frau Denise. Welche Rolle die Familie neben der Politik hat, erzählt Marc Jost im Porträt: http://www.erf-medien.ch/de/Glauben-entdecken/Menschen/Portraet/Marc-Jost---Friede-Freude-Eierkuchen-ist-nicht-sein-Ding

Sonntag, 12. Juli 2015

Ein Lobbyist für Gott - Porträt im Tagesanzeiger

"Drängen wir Religion einfach in die Privatsphäre ab und lassen sie nicht zum Thema werden, wird es gefährlich". Darum macht Marc Jost (41) aus seinem Glauben kein Geheimnis, im Gegenteil: Der frühere Pfarrer ist als Lobbyist Gottes in der Politik unterwegs, seit dem 1. Juni als Präsident des 160-köpfigen Berner Grossen Rats. Schon zweimal hat er für einen Sitz in der Berner Regierung kandidiert, 2011 für den Ständerat. Im Herbst will er in den Nationalrat, als Spitzenkandidat der EVP. Jost ist so etwas wie der Ziehsohn des früheren Parlamentariers Heiner Studer; vier Jahre lang war er dessen Assistent, hat für ihn recherchiert und Stellungnahmen erarbeitet. "Für mich war das mitentscheidend, dass ich in die Politik eingestiegen bin".

Wobei das E bei Jost eher für "Evangelikal" als für "Evangelisch" steht. Obwohl er auch zur Landeskirche gehört, ist seine Biographie stark freikirchlich gefärbt. In Spiez aufgewachsen, war er von Kindsbeinen an mit dem Evangelischen Gemeinschaftswerk verbunden, dem er später in Thun als Pfarrer diente. Theologie studierte der Ex-Primarlehrer nicht an einer staatlichen Fakultät, sondern am theologischen Seminar der Freikirche Chrischona. "Ich suchte einen Ort, wo ich parallel zum Studium den Glauben verbindlich in der Gemeinschaft von Studierenden leben konnte.

Mit seiner Frau und den vier Kindern gehört Jost heute zur "BewegungPlus" in Thun, einer klassischen Freikirche mit breitem Freizeitangebot auch für Jugendliche. Hier findet er, was ihm in der Landeskirche bisweilen fehlt: lebendige Gottesdienste, starkes Engagement und ein "klares Bekenntnisses zu Jesus Christus als Herr und Freund". Anders als der Durchschnitts-Evangelikale beruft sich Jost aber nicht auf ein Bekehrungserlebnis. Die persönliche Jesus-Beziehung hat seine Vita ohne Brüche immer schon getragen und zur jetzigen Tätigkeit motiviert. Hauptberuflich ist er Co-Generalsekretär der Schweizerischen Evangelischen Allianz SEA, zuständig für Gesellschaftsfragen.

Mit dem Dachverband von Freikirchen und Landeskirchen sowie christlichen Organisationen teilt er die Positionen in Moral und Politik. Kürzlich hat er in der "Arena" zum Thema "Ehe für alle" die Privilegierung der herkömmlichen Ehe verteidigt: Argumentiere man vom Kind her, müsse man gegen das Adoptionsrecht sein. Als Mann könne man nicht das Mami ersetzen. "Warum vom Ideal abrücken, dass Kinder Eltern in geschlechtlicher Komplementarität erleben?" Darum müsse man homosexuelle Partnerschaften anders behandeln. Die jetzige Lösung einer registrierten Partnerschaft möchte Jost auf Leute ausweiten, die in Kommunitäten leben.

Als Freund und Seelsorger sei er mit vielen Homosexuellen in Kontakt. Einige seien mit ihrem Leben zufrieden. Jenen, die wegen ihrer sexuellen Ausrichtung leiden, denen müsse man helfen. Dies sei bei den Evangelikalen üblich. "Ich kenne ehemals homosexuell empfindende Männer, die heute sagen, sie seien zufrieden in der Heterobeziehung", sagt Jost und fügt hinzu: "Ich weiss, dass das politisch nicht korrekt ist".

Jost plädiert auch für ein Verbot der Suizidhilfe mit den gängigen Argumenten: "Diese zu  legalisieren bedeutet, auf eine schiefe Ebene zu kommen und in die Rolle von Gott zu rutschen, indem man selber über Leben und Tod entscheidet". Weil er das Leben als Geschenk Gottes sieht, lehnt er die Fristenregelung ab und setzt sich für den Lebensschutz ein. Am 19. September hält er am "Marsch fürs Läbe" eine Predigt. Initiant Daniel Regli sei auf das Anliegen der Allianz eingegangen, weniger provozierend aufzutreten.

Dennoch sieht sich Jost nicht in der Fundiecke, auch seine Bekannten täten dies nicht, viele seien im Gegenteil neugierig, mehr über seine Tätigkeit zu erfahren. Mit den Ratskollegen käme es zu oft zu gutem Austausch bis hin zu Seelsorgegesprächen. "Wertkonservativ, aber weltoffen" bezeichnet Jost sich selber, als Politiker der Mitte: "Die EDU wäre nie meine Partei gewesen". Der Theologe gehört nicht zu den frommen Zeitgenossen, für die einzig das innere Glaubenserlebnis zählt. Seit seinem vierten Studienjahr, das er im Bürgerkrieg geschüttelten Kolumbien verbracht hatte, beschäftigt er sich mit Fragen die weltweite Gerechtigkeit betreffend. "Kirche ist nur Kirche, wenn sie für die anderen da ist", die Maxime von Dietrich Bonhoeffer ist auch die seine.

Bis zur Übernahme des Präsidiums im Grossen Rat hat Jost den christlichen Hilfswerksverband "Interaction" geleitet und steht ihm heute als Präsident des Vorstandes vor. Durch die Hilfsprojekte der 26 Allianz-Werke hat Jost Einblick ins Asylwesen erhalten. Im Dezember besuchte er im Libanon syrische Flüchtlingslager. "Wenn man dieses himmelschreiende Elend sieht, kann man die plakative Asyl-Politik der nationalen SVP schlicht nicht nachvollziehen", empört er sich. Und freut sich um so mehr, dass innerhalb der Allianz bereits 450 Personen bereit seien, Asylsuchende zu begleiten und aufzunehmen. Derzeit ist er im Kanton Bern in ein Projekt involviert, das ein Haus für Migranten aus dem arabischen Raum betreibt.

Schliesslich sagt laut Jost der christliche Gott allen Menschen Hilfe zu, auch den Muslimen. Anders als EDU und SVP hatte er gegen die Minarett-Initiative votiert, aus Respekt vor der  Glaubensfreiheit. Damit vereinbar ist für ihn, dass die SEA jedes Jahr während des Ramadan die Aktion "30 Tage Gebet für die islamische Welt" lanciert und für die Bekehrung der Muslime zu Christus betet. "Beherzige ich den Auftrag Jesu an die Kirche, muss ich mich an die ganze Schöpfung und an alle Menschen wenden. Wir wünschen uns für jeden Menschen, dass er sich durch Christus mit Gott versöhnt". Jost versucht dabei , das mit Manipulation und Zwang assoziierte Wort "Mission" zu vermeiden. Er spricht lieber von Austausch in Liebe, in der Veränderung stattfinde. "Es ist nicht gleichgültig, was ich glaube und lebe", sagt er. Leider aber verbiete es heute die Political Correctness, Unterschiede im Gottesbild zu werten und zu beurteilen.

Dienstag, 16. Juni 2015

Grossratspräsident 2015/ 16 - ein Porträt

Ab Montag (1. Juni 2015) präsidiert ein Mann den Grossen Rat, der das Reden vor Leuten gewohnt ist. Der 41-jährige EVP-Grossrat Marc Jost aus Thun war in seinem früheren beruflichen Leben Lehrer und Pfarrer. Theologie studieren habe er immer als Ziel gehabt, sagt er. Zuerst Lehrer geworden sei er, weil ihn ein Pfarrer so beraten habe, vorab einen Beruf zu erlernen und Erfahrung zu sammeln.
Für seine zunehmende politische Tätigkeit hat er schliesslich auch das Predigen im Evangelischen Gemeinschaftswerk Thun an den Nagel gehängt. In den letzten Jahren arbeitete er als Generalsekretär beim Dachverband Schweizerische Evangelische Allianz und als Geschäftsführer von Interaction, einen Verband christlicher Hilfswerke. Letztere Tätigkeit hat er soeben aufgegeben, um die Aufgaben als Grossratspräsident erfüllen zu können.
Sein Ziel: Der Nationalrat
Es erscheint logisch, dass Marc Jost von der EVP zum Grossratspräsidenten gekürt wurde und nicht jemand anderes. Innerhalb der Fraktion sei es relativ schnell klar gewesen, sagt er. Er bringe die nötigen Kompetenzen mit und habe die berufliche Flexibilität – aber es passt auch zu seiner politischen Laufbahn. Seit Jahren wird der vierfache Familienvater von der Partei aufgebaut. So kandidierte er zweimal für den Regierungsrat und einmal für den Ständerat.
Dabei ging es nie darum, dass er eine Wahl gewinnen könnte, sondern dass er bekannt wird. Insbesondere bei der medienwirksamen Ersatzwahl für Simonetta Sommaruga in den Ständerat, dürfte dies aufgegangen sein. Sein Ziel sei klar, er wolle Nationalrat werden. Bereits liegt er auf dem ersten Ersatzplatz der einzigen Berner EVP-Nationalrätin Marianne Streiff.
Im Grösseren mehr bewirken
Als Grossrat macht Jost seit 2006 vor allem Familien- und Finanzpolitik oder kümmert sich um typische Anliegen der Evangelischen Volkspartei wie der biblischen Inhalte im Lehrplan 21. Auf kommunaler Ebene hat er nie politisiert, und eigentlich liegen seine Themen auch nicht auf kantonaler Ebene. Menschenrechte, Religionsfreiheit, Entwicklungszusammenarbeit oder lebensethische Fragen interessierten ihn. Und diese würden auf nationaler Ebene behandelt.
Auch im beruflichen Leben hat Jost eine Entwicklung durchgemacht. Von der ursprünglichen Idee, in Südamerika als theologischer Lehrer zu wirken, kam er ab. Stattdessen ist er heute davon überzeugt, dass er auf Ebene Verband fast mehr erreichen könne. «Die Ursache der Probleme im Süden sind auch der Ressourcenverbrauch und der übermässige Konsumdurst in den westlichen Ländern», sagt er. Seine Aufgabe sei es, in der Diskussion mit den zahlreichen NGOs, kirchlichen Gemeinden und christlichen Organisationen zu sensibilisieren.
Vor Ort wirkten kirchliche Leute als Schlüsselpersonen, welche die Botschaften transportieren könnten. Aber nicht überall auf der Welt können christliche Hilfswerke noch offen arbeiten. Eine «Riesenherausforderung» sei es für christliche Organisationen beispielsweise in Syrien oder im Irak, wo es wegen islamistischer Gruppen sehr gefährlich sei. An solchen Orten könnten die Leute teilweise nicht im Namen einer christlichen Kirche arbeiten, sagt Jost.
Religion wird zum Tabu
Auch wenn Jost auf Verbandsebene arbeitet, weiss er, wovon er spricht. In Libanon hat er im letzten Jahr Flüchtlingslager besucht, vorher sei er viel in Kuba gewesen, und ein längerer Aufenthalt in Kolumbien während des Bürgerkriegs bezeichnet er als Schlüsselerlebnis. «Mit so viel Gewalt, Korruption, Armut und Ungerechtigkeit wurde ich in Europa nie konfrontiert», sagt er. Doch sein Ansatz, die Welt mit einer nachhaltigen Lebensweise zu verbessern, tönt, als wäre er Aktivist von Greenpeace. Der kirchliche Aspekt, sagt er, sei die christliche Ethik. «Gott erwartet von uns einen Lebensstil, der Rücksicht nimmt.» Nächstenliebe bedeute in der globalisierten Welt, dass es auch für Menschen im Sudan oder im Tschad genug zum Leben habe.
Während im globalen Süden, wie er sagt, die Kirche ein wichtiger Teil der Zivilgesellschaft ist, schwindet hierzulande die Bedeutung von Religion. In Europa habe Religion in der Öffentlichkeit kaum noch Platz und werde zur privaten Angelegenheit. «Das ist gefährlich, Religion wird zu einem Tabu», sagt Jost. Dabei basierten viele Institutionen der westlichen Gesellschaft auf christlichen Werten, etwa die Spitäler und Schulen.
«Ich hätte viel zu sagen»
Aber ausgerechnet wenn die Weichen für die Kirchen im Kanton Bern gestellt werden, kann Jost nicht mitreden. «Ich hätte viel zu sagen, nehme mich aber wegen des Grossratspräsidiums bewusst zurück», sagt er. Zum Verhältnis Kirche und Staat liegt ein Bericht vor, der dem Grossen Rat im September vorgelegt werden soll. Im Kern geht es bei dieser Diskussion darum, ob die Pfarrer im Sold des Kantons bleiben sollen.
Jost ist ein politischer Mensch, oder wie es seine Ehefrau einmal ausdrückte: «Die politische Arbeit ist ihm auf den Leib geschrieben.» Seine Aufgabe für ein Jahr wird aber nun daraus bestehen, die Sessionen zu leiten und repräsentative Aufgaben wahrzunehmen. Es sei für ihn eine Ehre, sagt er. Das Hauptmotiv sei aber, Verantwortung zu übernehmen. Jost ist überzeugt, dass er etwas bewirken kann, und gleichzeitig entspricht es seiner bescheidenen Art, seine Ambitionen nicht in den Vordergrund zu rücken. Aber seine politische Karriere ist aufgegleist und das Grossratspräsidium wohl nur die Krönung seiner Arbeit auf kantonaler Ebene.
DerBund.ch/Newsnet: Anita Bachmann

Freitag, 24. April 2015

Junge Flüchtlinge in die Familie aufnehmen?

Die Krise rund um die Mittelmeerflüchtlinge bewegt mich. Ich hatte Gelegenheit, im Libanon Flüchtlingslager zu besuchen und kam tief berührt zurück. Hier ein Interview mit Livenet.ch

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Wer Flüchtlinge aufnimmt, muss sich auch auf deren kulturellen Hintergrund einlassen.
Livenet: Marc Jost, die aktuelle Flüchtlingssituation scheint dramatisch, und sie fordert auch die Christen heraus. Wo können sie sich einbringen?
Marc Jost: Neben der Fürbitte für die Flüchtlinge können Christen im persönlichen Gebet Gott fragen, wo in Bezug auf diese grosse Krise ihre Zeit, ihr Platz und ihre Verantwortung liegt. Das kann sehr unterschiedlich sein. Nicht jeder hat genügend Platz zuhause, um Obdach zu bieten, aber Beziehungen am Wohnort zu Fremden pflegen kann jeder. Als Schweizerische Evangelische Allianz möchten wir vor allem jenen Menschen ein Coaching anbieten, die Flüchtlinge oder andere Migranten persönlich im Alltag begleiten und unterstützen. Daran arbeiten wir mit Partnern.
Die Idee, jugendliche Flüchtlinge, die ohne Eltern angekommen sind, in Familien zu integrieren, hat Sie angesprochen. Welche Möglichkeiten gibt es für engagierte christliche Familien?
Mich hat dies angesprochen, weil ich vermute, dass der Familienkontext für viele unbegleitete Jugendliche das bessere Umfeld sein kann, als ein Heim, wo sie ihre Zeit in grossen Gruppen verbringen. Die Aufnahme von Kindern und Jugendlichen in Pflegefamilien ist jedoch bereits innerhalb unserer eigenen Kultur eine Herausforderung. Deshalb darf die zusätzliche Anforderung an die Aufnahme eines fremden Jugendlichen nicht unterschätzt werden.
Wer kann sie erfüllen? Was braucht es dazu?
Voraussetzung ist, dass Eltern die Anforderungen als Pflegeeltern grundsätzlich erfüllen. Zudem helfen interkulturelle Erfahrungen, sei es im Ausland oder unter Migranten in der Schweiz. Man muss ein Verständnis dafür haben, was Kulturunterschiede im Alltag daheim und in der Schule an Missverständnissen und Herausforderungen mit sich bringen können. Auch die Freude an anderen Kulturen ist wichtig. 
Wie können zum Beispiel Sprachprobleme gelöst werden, wenn ein Flüchtling zum Beispiel nur Arabisch oder eine afrikanische Sprache spricht?
Jeder Kanton und auch die Gemeinden bieten hier mit ihren Integrationsmassnahmen in Schule und Alltag Unterstützung. Ein Schlüssel ist, dass das Kind oder der Jugendliche möglichst rasch eine Amtsspache in der Schweiz versteht. Ideal ist natürlich, wenn eine Familie bereits Kenntnisse der fremden Sprache hat.
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Marc Jost
Welche andern Möglichkeiten gibt es für Einzelpersonen, Familien oder Gemeinden, sich an der Betreuung oder Integration von Flüchtlingen zu beteiligen?
In meiner Kirche sind viele Mitglieder an Deutschkursen und weiteren Integrationsmassnahmen beteiligt. Aber bereits die Nachbarsfamilie aus dem Irak oder aus Somalia zum Kaffee oder zum Essen einzuladen, ist hilfreich und kann ein Türöffner für weitere gemeinsame Unternehmungen sein. Und umgekehrt: Unsere eigenen Kinder werden zum Beispiel hin und wieder von einer Flüchtlingsfamilie betreut und lernen dabei erst noch Arabisch.
Wie sollen Interessierte vorgehen? Wo erhalten Sie mehr Informationen?
Oft hat es bereits im Freundeskreis Menschen mit Erfahrung. Oder dann findet man Hilfe bei der Integrationsabteilung der politischen Gemeinde und beim Kanton, bei einer Hilfsorganisation oder natürlich in der Kirche.
Von wem werden sie innerhalb der SEA unterstützt?
Innerhalb der Evangelischen Allianz gibt es mehrere Hilfs- und Missionswerke, die grosse Erfahrung haben und Interessierte beraten und unterstützen. Ich verweise da gerne auf unsere SEA-Arbeitsgemeinschaften für Mission, Interkulturelles und Religionsfreiheit. Insbesondere auch unsere Beratungsstelle für Integrations- und Religionsfragen (BIR).
Können nichtchristliche Flüchtlinge auch in die Gemeinde eingeladen werden? Darf man ihnen den Glauben bezeugen? Oder ist das politisch unkorrekt?
Was heute politisch korrekt zu sein scheint, kann nicht unser Massstab sein. Vielmehr haben wir die Möglichkeit, im Rahmen der hier gewährten Glaubens- und Religionsfreiheit unseren Glauben zu leben, zu erklären und weiterzugeben. Die SEA hat als Hilfestellung einen Verhaltenskodex ( Verhaltenskodex für SEA-Migrationsbegleiter.pdf) verfasst, der insbesondere auf die verletzliche Situation eines Flüchtlings oder Migranten eingeht. Ich möchte meine fremden Freunde auch zum Gottesdienst einladen, aber auf keinen Fall meine Unterstützung und Hilfe davon abhängig machen, ob sie sich für meinen Glauben interessieren oder nicht.

Donnerstag, 2. April 2015

Freikirchen: Dauerbrenner der öffentlichen Diskussion? - Trialog-Interview (Heilsarmee)

Thomas Martin: Sie sind bei der Schweizerischen Evangelischen Allianz (SEA) zuständig für Gesellschaftsfragen und Kommunikation. Welche Themen beschäftigen Sie momentan?
Marc Jost: Religionsfreiheit und Meinungsäusserungsfreiheit sind Dauerbrenner und für uns wichtige Anliegen. Im vergangenen Jahr waren zudem die Freikirchen sehr oft ein Thema in der Schweizer Öffentlichkeit. Das ist erfreulich. Leider gab es oftmals den Vorwurf, Mitglieder von Freikirchen würden ihr gesellschaftliches Engagement instrumentalisieren und ihren Mitmenschen den Glauben aufdrängen.

Wie setzt sich die SEA für diese Themen ein?
Zum Thema der Glaubensfreiheit haben wir eine äusserst aktive und gut kooperierende Arbeitsgemeinschaft von christlichen Nicht-Regierungsorganisationen, die sich für dieses Menschenrecht international engagieren. In der Schweiz setzen wir uns mit breiter Information für dieses Anliegen ein.

Bezüglich den Vorwürfen gegenüber Freikirchen haben wir einerseits den Kontakt zu den kritischen Medien gesucht und auch Personen für Porträts vermittelt und andererseits mit konstruktiven und erklärenden Mitteilungen agiert. Wir planen öffentliche Anlässe dazu. Arbeiten Sie in der Kommunikation auch mit Karikaturen?
Ja, Karikaturen kann ich mir sehr gut als Kommunikationsmittel vorstellen. Sie eignen sich, Dinge auf den Punkt zu bringen. Selbst für religiöse Themen oder Glaubensfragen kommt das für mich in Frage. Eine Karikatur darf aus meiner Sicht jedoch, genauso wenig wie ein Text, die Meinung anderer Menschen lächerlich machen.

Wie erleben Sie das gesellschaftspolitische Engagement von Christen?
Christen sind immer stärker gesellschaftspolitisch aktiv. Sie engagieren sich in der Bildungspolitik und Lebensethik, kämpfen gegen Armut und Ungerechtigkeit wie Menschenhandel, aber auch zunehmend für Umweltschutz oder eben Religionsfreiheit – dabei insbesondere für verfolgte Christen.

Sie sind Grossrat im Kanton Bern. Motivation Ihrer politischen Tätigkeit?
Mir wurde dieses Denken und Handeln seit meiner Jugend in meiner Kirche vorgelebt (Evangelisches Gemeinschaftswerk). Durch meine pädagogische und theologische Ausbildung wurde ich weiter dafür sensibilisiert. Ein Schlüsselerlebnis hatte ich jedoch im bürgerkrieg-geplagten Kolumbien 2002, wo ich Kidnapping, Korruption und Krieg in unmittelbarer Nähe mitbekam. Die Erfahrung von grosser sozialer Ungerechtigkeit in der Fremde hat mich „politisiert”. Deshalb ist die Bekämpfung extremer Armut eines meiner wichtigsten politischen Anliegen. Ich bin überzeugt, dass sich dadurch viele kriegerische Konflikte vermeiden liessen.


Sie haben vier Kinder. Wie bringen Sie Familie, Politik und Beruf unter einen Hut?
Im Moment bringe ich es nicht unter einen Hut und bin dabei, mich neu zu organisieren. Was uns als Familie jedoch sehr hilft, ist das Hochhalten mindestens eines freien Tages pro Woche.

Wo finden Sie den Ausgleich?
Bei meiner Arbeit. Im Ernst, meine Arbeit macht mir enorm Freude und erfüllt mich. Aber ich spiele auch regelmässig Volleyball. Zudem geniesse ich das Spielen, Sport treiben oder Musizieren mit den Kindern. Der Eheabend mit meiner Frau ist auch jede Woche ein besonderes Highlight.

Samstag, 10. Januar 2015

Religion as a private matter is dangerous

And at a time when there are actually almost no taboos left in the media and intimate matters are reported on shamelessly, the commonly held understanding - that religion is a private matter - does seem rather out of kilter. Does personal religious faith have to be completely private, or would it be better if we talked about it much more?

AUTHOR Marc Jost TRANSLATOR Nicky Seadon

What do income, faith and weight have in common? Correct, they are all regarded as taboo or the private matter of the Swiss. And we don’t ask about them. But at least the first two of these key words are always of incredible interest to the media whenever it smacks of a highly explosive situation, unrest or scandal. I am rarely asked about my income, but horrifically high managers’ salaries are of interest and are – rightly – criticised. How heavy I am is of no interest to anyone but my doctor and my wife. I am scarcely ever addressed about my faith in a personal conversation; however, when the media report on me as a person, it is the religious side that is highly controversial, because it is not quite normal. And at a time when there are actually almost no taboos left in the media and intimate matters are reported on shamelessly, the commonly held understanding - that religion is a private matter - does seem rather out of kilter. Does personal religious faith have to be completely private, or would it be better if we talked about it much more? Talking about one’s personal religious faith makes sense, from my point of view, for the following reasons: In a conversation about faith and religion, prejudices can be challenged and broken down. Mutual understanding can grow when we learn from our counterpart why they believe what they believe. And, in the end, such conversations can promote peace, if, rather than with hatred and rejection, the other viewpoint is met with understanding and respect. At the same time, dialogue about faith is a contest between religions and worldviews. That is a good thing, as one’s own perception is challenged. And, where there is sincere and wholehearted effort, this leads closer to the truth, closer to reality. Jesus says about himself: ‘I am the way, the truth and the life.’ Sometimes it seems to us perhaps easier to make such bold assertions taboo and not to bother our heads about them. I am however convinced that dialogue about faith can bring us closer to the truth and promotes good communal living. So, don’t falsely hold back!

http://evangelicalfocus.com/blogs/103/Religion_as_a_private_matter_is_dangerous